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Die Rasse der Lemuren

Niemand, bis auf die Lemuren selbst, weiß, woher dieses geheimnisvolle Volk stammt. In vielen Legenden finden sie Erwähnung, immer wieder tauchen einzelne Wesen dieser Rasse auf, um fürchterliche Morde zu begehen. Das Dunkel der Nacht ist ihr Element, die Stille, der Schatten und der stumme Schrei eines Gemeuchelten ihr Schlachtruf. Keine einzelne Legende jedoch stammt aus dem Erzählungsschatz der Lemuren selbst, immer wieder waren es andere Erzähler, die sie als Schreckenselement in ihre Geschichten aufnahmen. Sie läßt nur wenig über sich selbst an Außenstehende dringen, ihr eigenes Blut und das der Rasse bedeutet ihnen alles. Zweifelsohne liegt dieses Verhalten in ihrer Abstammung begründet und vielleicht auch einem geheimen Zweck, dem die Lemuren dienen. Man weiß von ihnen, das nur wenige dem Chaos huldigen. Nein, oft suchen sie sich ihre Opfer bewußt, verfolgen eine Aufgabe oder erreichen manchmal, daß durch einen Mord alte Machtstrukturen zusammenbrechen. Woher kommen diese Wesen also? Eines der Gerüchte besagt und dies scheint wirklich nahe an die Wahrheit heranzukommen, daß sie, wenigstens zum Teil, dämonischer Abstammung sind. Was über Rituale, Lebensweise, Verhalten und soziale Aspekte bekannt ist, scheint diese Theorie zu bestätigen. Auch ihr Äußeres trägt dazu bei, dem unvoreinge-nommenen Betrachter ganz von selbst zu diesem Schluß kommen zu lassen. Die Hautfarbe besteht aus einem stumpfen Blau-Grau, das sehr stark an die Asche erinnert, die bei so manchem Vulkanausbruch meterhoch die Landschaft bedeckt. So viele Schattierungen diese Asche besitzt, so verschieden kann auch die Haut dieser Lebewesen beschaffen sein. Ihr Gesicht weißt feine, man könnte fast sagen diabolische Gesichtszüge auf. Die Zähne sind nadelspritz, wie die eines Raubtiers. . Ihre langen, schwarzen Haarmähnen jedoch tragen sie zu einem Zopf gebunden oder geflochten, um möglichst wenig davon behindert zu werden. Die Stirn ziert ein Paar kleiner Hörner, Überbleibsel einer vielleicht schon fast vergessenen Abstammung. Erwähnenswert ist auch der grazile, raubtierhafte Gang aller Angehörigen dieser Rasse. Wo Elfen Eleganz zeigen, gleitet, schwebt, springt oder schleicht ein Lemure in flüssiger Bewegung dahin. Die Waffen, die Lemuren gemeinhin tragen und natürlich auch benutzen, zeigen viel von der Mentalität diese Volkes. Dolche und Krummsäbel aller Variationen sind sehr beliebt, oftmals mit seltsamen Gravuren versehen. Um so besser eine Waffe sich verstecken läßt, umso lieber trägt ein Lemure sie. Die seltsamste Klinge jedoch ist die Klaue. Eine oder mehrere Klingen am Unteram befestigt, die in ihrer Form stark an die Krallen einer Katze oder gar eines Dämon erinnern. Was dieses Volk außerdem hervorhebt, ist sein außerordentliches Gespür für das Exquisite, die Kunst in ganz besonderer Vollendung. Ihre Gewänder sind oftmals nicht so elaboriert, überladen und barock wie die der Elfenrassen. Doch jedes Detail ist bis aufs feinste herausgearbeitet und das gilt für jeden Bereich ihres Lebens. Von der Farbe her bevorzugen sie dunkle, gedeckte Töne, selten jedoch pures Schwarz. Vielmehr sind es zahlreiche Schattierungen von Blau-Grau bis ins Violette hinnein, immer gedeckt und dunkel gehalten. Diese Maxime scheint sich in allem und jedem zu manifestieren. Nichts bleibt oftmals dem Zufall überlassen. Selbst ihre Morde sind nach solchen Kriterien geplant, man möge mir die Wortwahl verzeihen, wahre Meistrewerke der Kunst. Ein Wesen zu töten heißt für sie nicht einfach einen Lebensfaden durchschneiden, auf das wie und die Nachwirkungen auf die Umgebung des Opfers kommt es an. Es gibt Morde, die andere Morde provozieren, Kriege auslösen oder andere Wesen in den Wahnsinn ewiger Umnachtung treiben. Solche Schandtaten werden gemeinhin den Lemuren zugeschoben, manchmal zu unrecht! Doch nie wird ein Lemure wagen seinesgleichen zu töten! Ihre Zahl ist klein und sie leben weit verstreut im Land. Außerdem scheint eines ihrer Gebote zu sein, das Blut der Rasse sauber zu halten, sie scheinen einen Weg zurück zu ihrem Ursprung zu suchen. Bricht einer das Gebot, ist er zu einem grausamen Tode verdammt, von den Händen der eigenen Angehörigen! So zählen nicht zu letzt diejenigen Lemuren als hochstehend, die vom Auftreten und Aussehen her am dämonischsten sind.

In entlegegenen Gebieten lebt dieses Volk, hält sich von Städten anderer fern. Wenige haben sich jemals getraut, einer ihrer Festungen nahe genug zu kommen, um sie mit eigenen Augen zu betrachten. Ich sage euch, es gibt nichts schöneres und nichts furchteinflößenderes! Jeder kennt die Jahrmarktsmagier, die Kieselsteine durch Levitation um die Ohren ihrer Betrachter segeln lassen. Wer hat es jedoch bis jetzt fertig gebracht, eine ganze Festung schweben zu lassen? Alle Festungen gleichen vom äußeren her einer geschlossenen Blüte der einen oder anderen Art. Kein Licht dringt heraus, keine Fensterschlitze sind zu sehen, keine Tore und keine Laut dringt nach draußen. Gewaltig und schwarz, denn aus Obsidian und Basalt sind sie gebaut, schweben sie drohend im Licht des Tages. Jeder, der sie erblickt, scheint eine kalte Hand an seiner Kehle zu spüren oder den scharfen Blick eines Beobachters im Nacken. Doch welch Wunder, wenn die Dämmerung hereinbricht! Aus dem Abgrund über dem sie schwebt dringt ein rötliches Glühen nach oben, bringt die schwärze des Gesteins zu unheiligem Leben. Plötzlich werden feine Verziehrungen, Reliefs und Bildmotive äußerster Schönheit und Fremdartigkeit sichtbar. Selbst der Kranz steinerner Dornen, der den Abgrund umgibt scheint sich zu recken und zu dehnen, wie eine Schlange, die ein Gelege umschließt. Dann beginnt sich lautlos, gleitend, die gewaltige, steinerne Blüte zu öffnen. Ein Kranz steinerner Strahlen, der sich entfaltet, um der kalten Helligkeit des Mondes Einlass zu gestatten. In der Mitte der Kokon welcher den mächtigsten Lemuren der Familie birgt, der das Licht der fahlen Scheibe trinkt, die gleichgültig auf das erschreckende Wunder blickt. Jetzt ist auch die Zeit der Lemuren, zu der sie einzeln, oder in kleinen Gruppen aus ihren Verstecken und aus der Festung kommen. Von der Festung aus schieben sich nun schmale Laufstege über den gähnenden Abgrund, in dem weit unten das Feuer der Erde brennt. Dann ziehen sie aus, vielleicht auf der Suche nach Magischen Artefakten, mit einem Mordauftrag oder einfach nur, um zu jagen und Nahrung zu beschaffen. Der Name, den die Lemuren diesen Festungen gegeben haben, bedeutet übersetzt so viel wie "Blüte der Nacht". Alle diese Blüten sitzen gleichsam auf einem Stiel, nämlich den gewaltigen Erdspalten, die hinnunterreichen bis zum Innern der Welt. Bei der Geburt einer Blüte öffnet sich zuerst dieser feurige Schlund im Erdboden. Inmitten der entsteigenden Dämpfe, Hitze und fliegenden Lavabrocken schwebt die Blüte empor, geschützt durch die Macht des Duadim. Diese Schlünde ziehen sich entlang gewaltiger Erdspalten durch das Land und keiner vermag so recht verhindern, das dort weitere Blüten der Nacht emporsprießen. So zeigte es sich, das selbst die mächtigsten Kaiser und Potentaten unfähig waren, das Vordringen der Lemuren aufzuhalten. Allerdings stellt dieses Volk auch keine größeren Gebiets oder Besitzansprüche, außer einem schmalen Landstreifen entlang der Spalten. Wer könnte sich ihnen denn auch widersetzen? Tief unten, unter den schwebenden Blüten jedoch, brodelt das Blut der Erde, gewaltige Massen rotglühender Lava. Deren düsterrotes Glühen kann man nachts an den Lemurenfestungen beobachten, wenn es von unten an den Blütenkelch dringt. Diese heiße Glut der Hölle schließlich ist es auch, die das Ende einer Blüte der Nacht besiegelt. Stirbt die Festung oder wird unwiderbringlich geschädigt, passiert es, daß die magischen Kräfte schwinden. Dann fällt die Lemurenfestung, die Bewohner und alle Schätze in den heißen Schoß von Mutter Erde. Bei solchen, zugegebenermaßen recht seltenen Ergeinissen stirbt gleichzeitig ein ganzer Familienzweig. Lemuren, die zu diesem Zeitpunkt außerhalb verweilen, nehmen sich in der Regel sofort das Leben. Den Tod einer Festung kann ein Lemure noch auf weite Entfernungen spüren. So geschehen im Stadtstaat Harogan, wo eine Gruppe von vier Lemuren des Nachts plötzlich die Waffen zog um gemeinsamen Selbstmord zu begehen.

Ein Geheimnis wird wohl der Herrscher einer Lemurenfestung bleiben, das Duadim. Von diesem "Wesen" wird behauptet, es sei ein Zwitterwesen, halb Dämon, halb Lemur, halb Mann, halb Frau. Was ist bekannt über dieses Ding? Nun, zunächst einmal soll jede Festung im Herzen eine Kammer bergen, einem steinernen Kokon gleich, der das Duadim birgt. Verwoben in ein Netz pulsierender Stränge, die aus Wänden, Boden und Decke drängen, umgarnt von den Lebensadern der Festung lebt es hier. Sein Blut fließt durch alle Stränge, pulsiert durch die Festung, erfüllt sie mit gewaltiger Kraft. Einem Netzwerk steinerner Adern gleich durchzieht es alle Wälle und steinernen Befestigungen. Durch diese Adern jedoch fließt nicht nur der Lebenssaft des Duadim, nein, es ist die Energie, die die Festung am Leben hält. Der ganze Stein, jeder kleinste Splitter, lebt durch die Macht dieses einen Wesens und seiner Magie. Stirbt das Duadim, so stirbt die Festung, also auch das Volk, da es seiner Führerschaft beraubt ist. Woher kommt solche Macht? Nicht von dieser Welt, sagen die Gelehrten, Dämonologen und Magier. So scheint es also doch zu stimmen, daß Dämonen und Lemuren hier einen unheiligen Pakt geschlossen haben.Die Lemuren beherrscht keine Magie, ja sind fast unfähig sie als elementare Kraft zu begreifen. So streben sie fast alle danach, mehr dieser unbegreiflichen Macht zu erlangen. Fast unheimlich ist ihr Spürsinn, wenn es um magische Artefakte geht, die es zu ergattern gilt. Für die einzige Art Magie, die zu beherrschen sie imstande sind, stellen auch Menschenleben kein Hindernis dar. Allerdings kann dies auch eine Schwäche sein, wie zahllose Heldenepen berichten, wo magischer Tand als Köder benutzt wurde. Doch weiter zum Duadim: Inmitten dieses Netzes, verwachsen mit zahllosen Strängen, unfähig sich zu bewegen, wacht das Duadir über die Festung. Es lebt von der Nahrung die ihm von seitens der Untertanen geschenkt wird, von der Glut der Lava, die aus dem Abgrund unter der Festung heraufdringt und vom silbrigen Mondlicht. Auch von Opferungen lebender Wesen wurde berichtet. Die Stränge entwachsen seinem Unterleib, glühend rot, pulsierend, werden bald von einem kristallenen Schutzmantel umhüllt, bevor sie im Gestein verschwinden. Solange das Duadim lebt, ist die Festung sicher. Es gibt viele Geschichten, die von der Macht dieses Wesens handeln, das sehr gut weiß, seine Heimstatt zu verteidigen.

LEMUREN

  • unbekannter Verfasser -

Ein trockener Wind streicht über die Ebene, fegt die feine graue Asche zwischen dem schwarzen Lavagestein zu flachen Dünen zusammen. Kleinere Ansammlungen verkrüppelter Nadelhölzer stehen wie vereinzelte Borstenbüschel auf der grauen Haut eines Titanen. Gelblich wölbt sich der schwere Himmel über die trostlose Einöde, der beißende Geruch nach Schwefel dringt aus allen Ritzen des Gesteins. Inmitten der grauen Ebene gähnt gleich einem klaffenden Maul ein Krater, groß genug um wohl eine ganze Stadt in seinem Rachen versinken zu lassen Bizarre Felszähne wie aus schwarzem Basaltgestein herausgeschmolzen umsäumen den Schlund, der das Unglaubliche birgt. Regungslos, als würde selbst die Zeit hier stillstehen, schwebt der mächtige schwarze Fels über dem Feuer der Welt. Die Glut aus den Tiefen des Kraters malt lodernd rote Ornamente in das schwarze Felsgestein. Die Nacht bricht herein und das Himmelsgelb weicht einer samtenen Schwärze. Die ersten Sterne blicken mit ihren kalten Augen auf die Welt und in ihrem Antlitz erwacht der Fels zum Leben. Wie eine Knospe öffnet sich seine Spitze und Felszungen wölben sich Blütenblättern gleich bis zum Rand des Kraters. Wenigen war es bisher vergönnt, dieses ehrfurchtgebietende Schauspiel zu beobachten und davon zu berichten. Blumen der Nacht werden diese schwebenden Felsen im Volksmund genannt - unbezwingbare Heimstatt der unheimlichen Lemuren.

In der Geschichtsschreibung der Völker werden die Lemuren zum ersten Mal kurz vor dem Kataklysmus erwähnt - im Gemeinen als Teufel der Nacht oder blaue Dämonen bezeichnet. Tatsächlich halten sich die Lemuren für die älteste Rasse der Welt , die ersten, die dem Feuer der Welt entstiegen. Und einiges spricht dafür, daß sie in der Tat eine sehr, sehr alte Rasse sind. Den in den Legenden längst vergangener Zeiten stößt man immer wieder auf Hinweise, daß sich die Menschen damals vor blauen Geistern fürchteten - Blauen Geistern, deren Beschreibung unwillkürlich an die Lemuren erinnert. Besonders interessant ist die Tatsache, daß gerade in den südlicheren Landen, dem jetzigen Shai- Anarat, die meisten derartigen Legenden zu finden sich. Sogar die Sprache der Lemuren weißt erstaunliche Parallelen zu der shai -anarischen Sprache auf. Und bis heute trägt manch ein shai - anarischer Assassine einen kleinen Glücksbringer bei sich - ein grob geschnitztes Holzfigürchen mit gehörntem Kopfe. Zu hunderten leben die Lemuren in ihrer schwebenden Felsfestung, dem \Dim\uhan\ was in Lem - kai soviel heißt wie \Hüter des Lebens\. Denn daß, was für Unwissende aussieht wie Fels lebt wahrhaftig.

Tief im Inneren des Dim\uhan lebt eines der erstaunlichsten und mächtigsten Geschöpfe dieser Welt - das Duadim. Ein Wesen, dessen lemurischer Ursprung kaum noch erkennbar ist, verwachsen mit dem Stein der Festung. Die Kräfte des Duadims haben den Krater geschaffen, die Festung geformt und es sind seine Kräfte, die den Dim\muhan in der ständigen Schwebe halten.Seine Magie durchdringt den gesamten Fels und macht ihn so zu einem lebenden, wachsenden Organismus. Ein Organismus, dessen Energien vom kalten Sternenlicht gespeist werden. Und nur des Nachts kann der Dim\muhan betreten oder verlassen werden

In unregelmäßigen Zyklen wird im Dim\muhan ein Lemurenkind geboren, daß weder Mann noch Frau ist. Wenn dies geschieht, verläßt eine größere Anzahl Lemuren mit dem Kind die Festung um sich in einem steinernen Kokon auf den Feuerflüssen tief im Herzen der Welt an einen neuen Ort tragen zu lassen - hier wird das junge Duadim eine neue Felsfestung entstehen lassen. Niemand weiß vorher, wo dieser neue Dim\muhan auftauchen wird.

Die Lebensspanne der Lemuren erstreckt sich selten über 70 menschliche Jahre und da ihnen ein ausgesprochen schlechtes Zeitgefühl zu eigen ist, kennen selbst sie nicht die Lebensdauer eines Duadims. Aber es heißt, wenn im Dim\muhan keine Kinder mehr geboren werden, neigt sich das Leben des Duadims dem Ende zu - der Krater wird in sich zusammenstürzen und nichts wird mehr an den Dim\muhan erinnern.

Ein Dim\muhan ist eine autarke Welt für sich. Eine solche Lemurengemeinschaft hat keinen Herrscher im herkömmlichen Sinne - es ist das Duadim, das für diese Gemeinschaft sorgt. Ein priesterähnliche Kaste, die Dim\hadij, steht in ständigem, telephatischen Kontakt mit diesem Wesen und kümmert sich um dessen Wohlergehen und geben dessen Weisungen und Wünsche an die Gemeinschaft weiter. Ein Dim\hadan verläßt so gut wie nie den Dim\muhan Es gibt auf der ganzen, bekannten Welt nur wenige Dim\muhan und diese haben kaum Kontakt zueinander. Angeblich kennen nur die Duadims ihre genaue Zahl. Die größten und bekanntesten Dim\muhan sind zur Zeit Neyphat und Alyanth. Cahalth, der einstmals größte Dim\muhan zerbarst kürzlich über den Lohen des Erdfeuers - ein mächtiger Dämon Malagash\ soll hierbei seine Hand im Spiel gehabt haben. Weitere kleinere Dim\muhans sind Gizaith, Samanth, Calynth und Talath. (siehe Karte)

Familien im eigentlichen Sinne gibt es in einem Dim\muhan nicht. Lemuren wählen ihre Partner willkürlich und selten für eine längere Zeit. Kinder. die aus so einer Verbindung hervorgehen, werden von der Gemeinschaft betreut. Verkrüppelt oder anderweitig behindert geborene Kinder werden direkt nach der Entbindung ins Erdfeuer geworfen, da nur starke und gesunde Kinder den Fortbestand des Volkes garantieren. Diese haben dann in ihren ersten Lebensjahren völlige Narrenfreiheit im Dim\muhan Ihrem eigenen Nachwuchs gegenüber sind Lemuren ausgesprochen nachsichtig und liebevoll - würden aber jederzeit den Sprößlingen einer anderen Rasse skrupellos die Kehle durchschneiden. Im Alter von ca. 7 Jahren beginnt die eigentliche Erziehung des Nachwuches und die Kinder verlassen zum ersten mal den Dim\muhan. Meist nimmt ein erwachsener Lemur ein oder auch mehrere Kinder unter seine Obhut. Dabei suchen sich die die Lemuren die Kinder aus, die sie als fähigste Nachfolger ihres eigenen Könnens und Wissen erachten Und haben die jungen Lemuren diese harte Schule erfolgreich hinter sich gebracht, dürfen sie sich stolz als Zögling eben jenes Erziehers (\Tenhir\ : lem-kai für Lehrer)bezeichnen. Ein lemurischer Name wie Khirun ten\Mahud bedeutet von daher sinngemäß soviel wie \Khirun, Zögling des Mahud\ Mit der erweiterten Namensgebung gilt ein Lemur in der Gemeinschaft als erwachsen.

Lemuren haben von Geburt an eine gewisse Magieresistenz, die sich im Alter nicht selten zur völligen Magieimmunität entwickelt. Erstaunlicherweise sind Lemuren aber unfähig, selbst Magie zu wirken. Und diese Unfähigkeit bestimmt auch ihr primäres Lebensziel -das Streben nach Möglichkeiten, doch Magie wirken zu können. Kein magisches Artefakt ist vor ihnen sicher - sie streifen in kleineren Gruppen durch alle Lande der Welt, ständig auf der Such nach magischen Objekten, die ihnen, wenn auch nur zeitweilig, die ersehnten Fähigkeiten geben. Dabei ist ihnen jedes Mittel recht. Lemuren sind wahre Meister im Meucheln und Giftmischen, sowie im Brauen von magischen Tränken. Und diese Mittel setzen sie ohne jegliche moralische Bedenken ein, sind doch sie alleine die einzig würdige Rasse auf der Welt.

Sind Lemuren einmal auf der Fährte eines magischen Artefaktes oder einer Spruchrolle sei dem Besitzer tunlichst geraten, diesen Gegenstand freiwillig auszuhändigen - diese Geste könnte seine Lebenserwartung positiv beeinflussen. Mit der Aussicht, eine Spruchrolle oder ein Artefakt angefertigt zu bekommen, sind Lemuren auch durchaus bereit, für Angehörige anderer Rassen gewisse Dienste zu leisten, wobei sie keine Unterschiede zwischen den Rassen machen - daß einzige Kriterium ist der Wert der Entlohnung. Nie aber sollte ein Auftraggeber die Entlohnung vor dem Dienst anfertigen lassen oder gar aushändigen. Lemuren fühlen sich in keinster Weise an Verträge mit niederen Rassen gebunden und so kam es schon des öfteren vor, daß ein derart unbedachter Auftraggeber noch nichtmals mehr die Gelegenheit bekam, über seinen Fehler nachzudenken.

Kleinere Artefakte und Spruchrollen behalten Lemuren zumeist selbst - seltene und mächtige Artefakte hingegen jedoch tragen sie als Beute in ihren Dim\muhan, wo diese in dem ringförmig um die Halle des Duadims verlaufenden Gewölbe der Artefakte gesammelt werden - je mehr kostbare Artefakte und arkane Gegenstände ein Dim\muhan besitzt, desto höher ist sein Ansehen.

Auch wenn kein Lemur einem magischen Artefakt widerstehen kann, sind sie dennoch nicht ausschließlich damit beschäftigt, Artefakte zu jagen - viele betätigen sich auch als Drogenhändler oder Kopfgeldjäger.

Niemals würde ein Lemure einen seiner eigenen Rasse heimtückisch ermorden - untereinander haben Lemuren einen hohen Ehrenkodex. Lemuren aus einem Dim\muhan arbeiten stets zusammen, da das Wohl des Dim\muhan, insbesondere des Duadims über allem steht. Treffen in seltenen Fällen Lemuren verschiedener Dim\muhan zusammen, kann es durchaus vorkommen, daß die eine Gruppe der anderen ihre Artefakte abjagen will - dies wird aber stets im offenen Kampf geschehen. Ansonsten stellen sich Lemuren niemals dem offenen Kampf, außer ihnen bleibt keine andere Wahl. Sie sind die geborenen Nachtjäger. Zu mehreren greifen sie blitzschnell hinterrücks aus den Schatten an, um dann ebensoschnell wieder in der Dunkelheit zu verschwinden.

Für ihre hochempfindlichen Augen ist die Nacht hell wie der Tag, Sonnenlicht bereitet ihren Augen größte Schmerzen und führt nach kürzester Zeit irreparabel zur Blindheit. Lemuren meiden das Tageslicht - bedingt es ein Umstand, daß sie dennoch ans Tageslicht treten müssen, so geschieht dies nur mit sorgfältigst verdunkelten Augen und es wird bevorzugt der Schatten aufgesucht. Ansonsten, fernab vom heimischen Dim\muhan verkriechen sich Lemuren tagsüber in dunklen Höhlen oder verdunkelten Behausungen.

Aufgrund ihrer relativ geringen Lebenserwartung sind Lemuren sehr risikofreudig und wissensdurstig. Die meisten von ihnen sind hochgebildet und neben der Suche nach Artefakten auch ständig auf der Suche, ihren Wissensdurst zu stillen. Oft suchen sie sich Lehrmeister anderer Rassen - diesem begegnen sie dann auch mit einem bedingten Respekt. Wissen beeindruckt Lemuren Ein solches Lehrverhältins birgt durchaus einen gegenseitigen Nutzen, steht doch der Lehrmeister während dieser Zeit unter dem Schutz des Lemuren. Nur nach der Lehrzeit steht der Lehrmeister oft ohne Lehrbücher mehr da - die sind dann genauso plötzlich verschwunden wie der Lemure selbst. Und die reichhaltige Bibliothek eines Dim\muhan wird wieder um ein paar Exemplare reicher sein.

Das einzige, was den Lemuren wirklich heilig ist, ist das Duadim ihres jeweiligen Dim\muhan. Allerdings haben einige Lemuren auf ihren Reisen durchaus Gefallen an den Glaubensgrundzügen der Göttin Arachne gefunden. Manche haben sich einem derartigen Kult angeschlossen, andere haben Gefallen an dem Prinzip der Fardea gefunden. Stets aber steht das Wohl des Duadims über allem. Lemuren haben eine menschliche Gestalt mit zumeist schlanken, geschmeidigen Körpern. Ihre Haare sind durchweg schwarz, können aber im hohen Alter ergrauen. Ihre Haut hat einen intensiven, graubläulichen Farbton, der individuell variieren kann und ihrer zumeist hohen Stirn entspringt zu beiden Seiten jeweils ein spitzes Horn, dessen Länge das Alter bestimmt. Als Geschöpfe der Nacht haben sie große Augen, deren weit geöffnete Pupillen oft nicht mehr die Iris erkennen lassen und vielen von ihnen, insbesondere den Jägern, sind raubtierhafte Zähne gewachsen. Sie sprechen meist sehr leise in knappen Sätzen und oft verständigen sie sich nur in einer ihnen eigenen Zeichensprache.

Der Konflikt Webmeister /Lemuren

Als der Erzdämon Varkaz sich wieder seiner einstigen Werstvorstellungen entsann und sich gegen seinen Herrn, dem Chaosgott Malagash wandte, vernichtete dieser ihn nach einem langen, erbarmungslosen Kampf. Malagash zerfetzte seinen Leib und schleuderte die Teile weit von sich über die ganze Welt.

Die Legenden des ultorianischen Glauben besagen, daß Ultor seinem einstigen Diener vergab und als Zeichen seiner Vergebung aus den sieben Teilen seines Leibes die sieben Propheten formte, die die Begründer der sieben Orden der heiligen Synode Ultors waren. Aber es gibt weitere Legenden, die besagen, es hätte noch einen achten Teil des Leibes gegeben - den Teil, der das Chaos in dem Erzdämon ausmachte. Und viele Hinweise sprechen in der Tat dafür, daß diese Substanz reiner Chaosmaterie irgendwo Tief in der Erde ruht.

Magiekundige, Wissenschaftler und Alchemisten sind mittlerweile übereingekommen, daß alle Dinge im Universum im Prinzip auf den fünf Urelementen beruhen - Feuer, Wasser, Erde , Luft - und der sogenannten Quintessenz, des fünften Elementes. Die Alchemisten bezeichnen dieses fünfte Element als Prima Materia, die form - und lebengebende Urkraft und das Streben eines jeden Zauberkundigen ist darauf gerichtet, diese Urkraft auf seine Weise bestmöglich beherrschen zu können. Aber es gibt auch weitere Theorien, die da besagen, daß die Quintessenz letztendlich gleichzusetzen mit reiner Chaosmaterie ist. Da aber ein Weißmagier oder gar ein ultorianischer Priester es niemals akzeptieren würde, daß seine Kraft, mit der er seine Sprüche oder Wunder wirkt letztendlich vom Chaos ausgeht, wird dieser Theorie seid Jahrhunderten schon energisch entgegengewirkt, sie gilt als verfemt, ketzerisch und absolut unwahr. Tatsache ist allerdings, daß dies noch nie bewiesen werden konnte.

Weiterhin geht man im allgemeinen davon aus, daß diese Quintessenz in Strömen die Tiefen der Erde durchzieht- so gibt es Orte, an denen Magie nur äußerst schwierig gewirkt werden kann, andere Orte wie die Eisinseln von Cahirsheveen scheinen vor Magie nur so überzufließen. Und manchmal sammelt sich diese Quintessenz im Erdgestein, da es dort bisher unerklärliche Barrieren gibt, die diese Kraft aufhalten und sie eingeschlossen halten wie der Tonkrug den Wein. Die Zauberkundigen nennen diese Einschlüsse Oculi Potentiam - die magischen Augen. Mit den geeigneten Fähigkeiten kann man diese Augen erspüren und oft schon haben Magier Wege und Mittel versucht zu finden, diese geballte Kraft für sich zu nutzen - bisher erfolglos. Die Lage einiger Dutzend kleinerer Oculi ist mittlerweile bekannt, aber es wird vermutet, daß es noch bedeutend größere Sammelbecken dieser Quintessenz gibt.

Wenigen sind die Legenden um den achten Teil des Leibes von Varkaz bekannt - einer, der sich seid langen schon ausgiebigst damit beschäftigt ist niemand anderes als der Webmeister selbst. Varkaz war der Erzdämon gewesen der das vermochte, was dem Chaosgott trotz all seiner Macht selbst nie vergönnt war - die Erschaffung neuer Rassen! Würde es ihm, dem Webmeister, treuestem aller Diener des dunklen Gottes, gelingen, sich mit der chaotischen Kraft Varkaz’ zu vereinen, so konnte kein Zweifel mehr bestehen, daß er würdig war, als vierter Erzdämon an der Seite seines Gottes zu walten! In Jahrhundertelangen Forschungen drang er tief in das Wesen der Chaosmaterie und der Quintessenz ein und fand heraus, daß Chaosmaterie und Quintessenz tatsächlich gleichen Ursprunges sind - das die Chaosmaterie nichts anderes als die Umkehrung, die Perversion der Quintessenz ist. Weiter folgerte er daraus, daß Varkaz von Geburt an mit einem geradezu göttlichen Potential an schöpferischer Quintessenz erfüllt war. Als Malagash von ihm Besitz ergriff verkehrte sich dieses Potential in reinste Chaosmaterie und befähigte Varkaz zur Schöpfung all dieser pervertierten Rassen. Und diese Chaosmaterie wurde bei der Vernichtung Varkaz’ freigesetzt und mußte sich seither gleich der Oculi Potentiam eingeschlossen irgendwo in der Tiefe der Erde befinden.

Es dauerte weitere Jahrhunderte, bis es dem Webmeister gelang, aus allen möglichen Orten die beiden herauszufinden, an denen die Existenz dieses ‘achten Teiles’ am wahrscheinlichsten war. Eine Spur führte hoch in den Norden, kurz vor die Hochebene von Kolte. Dort unter den rauen Bewohnern der kargen Lande gab es eine Legende, die von einem schwarzen, fallenden Stern erzählte, der sich tief in die Erde gebohrt hatte.

Es war die Zeit in der das laikerianische Imperium auf der Höhe seiner Macht war und die größte Ausdehnung besaß. In den südlichsten Bereichen des Imperium war eine neue, bis dato auch dem Webmeister gänzlich unbekannte Rase aufgetaucht - die Lemuren. Ohne, daß es irgendjemand hätte verhindern können, waren eine handvoll schwebender Lemurenfesten innerhalb der Grenzen des Reiches entstanden. Da diese blauhäutigen Wesen aber offensichtlich nur ihren eigenen Interessen nachgingen und kein Absichten hegten, daß Land zu unterwerfen, nahm man ihre Anwesenheit wohl oder über hin und versuchte darüber hinaus sogar gelegentlich, Verbindungen zu ihnen zu knüpfen. Und es war eine weitere Gottheit im Pantheon erschienen - die Spinnengöttin Arachne, die durch die wachsende Schar ihrer Anhänger große Macht in der Welt erlangt hatte. Das Glaubensprinzip dieser Gottheit war einfach - Es besagte, daß die Erde der Kokon der Mutterspinne Arachne sei, in der ihre Brut heranwüchse. Arachne selbst bewache und umwandere den Kokon und ihr gigantischer Leib verdunkelt des Nachts die Sonne. Weiterhin besagt der Glauben, daß bald der Kokon aufbrechen würde und alles Gewürm, was sich nun auf seiner äußeren Schale tummele, würde von den Spinnen verspeist werden. Die aber, die jetzt schon dafür sorgen, daß die Kinder der Spinne genug Nahrung erhalten würden belohnt werden und dürfen hernach weiterhin den Spinnen dienen. So begehen die Anhänger der Arachne rituelle Meuchelmorde, denn das Blut der Opfer soll die Erde tränken und die Kinder der Spinne nähren. Was die Anhänger dieser Glaubensrichtung so ausgesprochen gefährlich macht, ist der Fanatismus, mit dem sie ihre Religion ausüben. In der reichen Provinzhauptstadt Rul An-Shar hatte sich eine besonders große Glaubensgemeinschaft der Arachniten gebildet, deren Anhängerschaft ständig wuchs.

Dies war die Zeit, in der der Webmeister begann, die Fäden des Netzes seines bisher größten Planes zu flechten. Über seine Forschungen, die Chaosmaterie betreffend war er auf etwas anderes gestoßen - die Traumsphäre! Und er ersann einen finsteren Plan. Wenn es ihm, der in seinem Schalten und Walten an die mundan Sphäre gebunden war, gelingen könnte, seine Seele mit einem Phantasus, einem Traumlord der Traumsphäre zu verbinden, so würde er fortan Herr über die Träume aller Geschöpfe der mundanen Sphäre! Und würde er darüber hinaus auch noch die Essenz des Varkaz in sich aufnehmen, so wäre die Traumsphäre für alle Zeiten korrumpiert vom Chaos! So hätte er sich wahrlich den Thron des Erzdämons verdient - des mächtigsten Erzdämonen aller Zeiten!!

Aus der säuregleichen Substanz, die die Arachniten als Gift der Göttin bezeichnen, gelang es dem Webmeister, eine Droge herzustellen, die die Grenzen zwischen den Sphären, solange die Wirkung anhält, durchlässig macht. Um aber diese Wirkung erzielen zu können, mußte der Webmeister für jede Dosis einen Teil von sich selbst opfern - ein winziger, nicht mal sandkorngroßer Splitter seines Seelenskristalls war vonnöten, damit die Droge ihre Kraft entfalten konnte. Und da er selbst an die mundane Sphäre gebunden war, mußte er andere finden, die für ihn einen Phantasus aus der Traumsphäre holen würden. Dabei würden ihm der Fanatismus der Arachniten und das Streben der Lemuren nach magischen Artefakten behilflich sein! Damit nahm die Verkettung der Umstände, die zum Kataklysmus und dem Untergang von Rul An-Shar führten, ihren unheilvollen Lauf.

In Rul An- Shar war schon seid einigen Jahren Sharal-Za Asaz ten Ghan, Botschafter der Lemurenfestung Cahalth mit seinen Gefolgsleuten ansässig. Sie waren nur leidlich gelitten, da sich die Lemuren nicht viel aus den bestehenden Gesetzen der Stadt machten. Es gab wenig Zweifel, daß sie für die auffällig vielen Todesfälle insbesondere unter den Magiekundigen der Stadt verantwortlich waren - da man es ihnen aber nie beweisen konnte und diese fremdartigen Wesen einfach nicht einzuschätzen vermochte, blieb die Lemurengemeinschaft weitestgehend unbehelligt. Dreimal versuchten aufgebrachte Bürger, gegen die fremdartigen Besucher vorzugehen, wobei zwei Lemuren ihr Leben verloren - deren Mörder jedoch fand man nur wenige Morgen später aufs abscheulichste zugerichtet in den Kloaken der Stadt. Und zur fraglichen Zeit hatten sich sämtliche Lemuren bei der Königsfamilie befunden und kamen als Täter nicht in Frage - übelste Hexerei und Teufelswerk mußte dort von statten gehen und fortan mied man die Lemuren und ging ihnen tunlichst aus dem Wege. Selbst die Priester und Ritter des ortsansässigen Ordens des geflügelten Worte Ultors, denen diese blauhäutigen Dämonen von anfang an ein Dorn im Auge waren, schritten des Stadtfrieden zuliebe zunächst nicht ein. Insgeheim aber wurden Pläne über Pläne geschmiedet, wie man ihrer dennoch habhaftwerden könne um sie zu läutern und ihrer gerechten Strafe zuführen zu können - ohne jedoch die Stadtbevölkerung oder gar das Königshaus zu gefährden. Dazu aber sollte es nicht mehr kommen.

Eines Tages, im Herbst des Jahres 3.511 nahm der Schattenelf Ashin, Sohn des Agall Djar Kontakt zu Sharal-Za Asaz ten Ghan auf. Es gäbe da etwas, was sicherlich von äußerstem Interesse für sein Volk wäre, etwas, womit die Lemuren wohlmöglich die langersehnte Fähigkeit des Magiewirkens erhalten könnten. Diese Information würde allerdings ihren Preis kosten - dafür fordere er zunächst den Kopf des Großmarschalls Hadamur. Dem Schattenelfen war es gelungen, die Lemuren neugierig zu machen - und da der Führer der ultorianischen Ordensritter ihnen mittlerweile sowieso lästig geworden war gingen sie gerne auf diesen Handel ein. So kam es, das Großmarschall Hadamur, offensichtlich und unerklärlich im berauschten Zustande beim Verlassen der Stadt vom Pferde stürzte - unglücklicherweise fuhr just in diesem Moment das Fallgitter herab und trennte seinen Kopf feinstsäuberlich vom Körper. Den Kopf fand man nie wieder. Nun erzählte Ashin den Lemuren die Legende von varkaz. Und er erzählte, daß er in langen Forschungen herausgefunden hatte, wo dieser ‘achte Teil’ zu finden sei, holte bündelweise Aufzeichnungen und Formeln hervor, die seine Theorie unterstrichen. Außerdem, so sagte er, sei er überzeugt, wenn es einem Duadim gelänge, sich mit dieser Kraft zu vereinen, würden fortan die Nachkommen dieses Dim’muhans fähig sein, selbst Magie zu wirken. Die Lemuren hörte lange und bedächtig zu - auch wenn Sharal-Za Asaz ten Ghan keine Magie wirken konnte, so war er doch bewanderter in dem arkanen Wissen als manch praktizierender Zauberkundiger. Und das, was ihm dort geboten wurde, war in der Tat erstaunlich. Ashin erklärte, daß er ihnen seine Forschungsergebnisse überlassen würde - unter der Bedingung, daß er, sollte es den Lemuren gelingen dieser magischen Materie habhaft zu werden, das Recht hatte, diese Materie vorher zu studieren. Sharal Za Asaz ten Ghan willigte zu zu gern ein - war er sich doch sehr sicher, daß dieser Schattenelf gar nicht solange leben würde, um diese Chance zu bekommen. Dieser wunderschöne grüne Kristall,den Ashin um seinen Hals trug sollte das Prunkstuck seiner Sammlung von magischen Artefakten werden...

Die gesamten Unterlagen des Schattenelfen wurden unverzüglich in den Dim’muhan Cahalth gebracht, wo sie von der Priesterkaste eingehend untersucht und studiert wurden. Und wie der Zufall es so wollte, war just in diesem Jahre ein Duadim in Cahalth geboren worden, die Vorbereitungen der Emigration waren schon im vollen Gange - das Geschöpf Laranth sollte bald einen neuen Dim’muhan erschaffen. Aber nun beschlossen die Lemuren des Dim’muhan in Einstimmigkeit mit ihrem Duadim Cahalth mit dem jungen Laranth gen Norden zu reisen, das es dort mit seiner unglaublichen Kraft das Verborgene hervorhole um sich damit zu vereinen. Ashin hatte ihnen damals schon gesagt, daß selbst ein Duadim es alleine nicht vermöge - als die eigenen Forschungen dies bestätigten, beschloß die Lemurengemeischaft von Cahalth, sich Unterstützung zu holen. Und sie wußten auch schon wo.

Sharal-Za Asaz ten Ghan ließ den Leibmagier der Königin Isalena von Rul An-Shar entführen, zwangen ihn unter unerträglichen Foltern zwei Knechtschaftsringe zu schmieden, einen Meisterring und einen Dienerring. Daraufhin flößten sie dem Magier eine Überdosis Vergessenstrunk ein - die Wachen des Königs fanden den Magier am nächsten Tage im Schloßgarten, vor sich hinplappernd wie ein kleines Kind. Der königliche Meistermedicus diagnostizierte einen Astraltumor, was zusätzlich die Ultorianer in Aufruhr versetzte - sollte der Hofmagier tatsächlich der schwarzen Magie verfallen gewesen sein?Es führte zu endlosen Debatten über den Kopf des immer noch fröhlich vor sich hinplappernden Zauberers hinweg, die schließlich damit endeten, daß der Medicus den Verwirrten operierte. Unglücklicherweise verstarb der Magier unter seinen Händen. Der Vizekönig Guthnar Tallak erfreute sich mittlerweile sehr an dem kostbaren Kleinod, daß der Botschafter der Lemuren ihm als Geste der Freundschaft hatte zukommen lassen - dieser wunderschöne Ring war wie gemacht für seine Hand. Und irgendwie konnte er den ganzen Argwohn gegen die Lemuren gar nicht verstehen, wo sie doch so zuvorkommend und friedliebend waren. Als Sharal- Za Asaz ten Ghan in auch noch bat, für eine Priestergesandtschaft des Dim’muhans Cahalth eine Audienz beim Kaiser höchstselbst zu arrangieren, bot er sich persönlich an, diese Gesandtschaft nach Laikeria zu begleiten. Vizekönig Guthnar Tallak war längst auf dem Wege nach Laikeria, als man am Hofe König Torholds immer noch über den Astraltumor der Leibmagiers debattierte.

Die Gesandtschaft um den Dimhadan Alkairan ten Batoum wurde unterwegs von einer weiteren kleinen Lemurengruppe aus Cahalth eingeholt - man hatte eine erstaunliche Droge in die Hände bekommen, die es ermöglichen würde in die Träume anderer zu dringen - um sie dort, wenn nötig, zu eliminieren.Da man diese Droge als äußerst nützlich ansah für die bevorstehenden Pläne ansah, hatte man dafür gesorgt, daß sie noch schnellstmöglich die Gesandtschaft erreiche. Im Frühjahr 3.512 erreichte die lemurische Gesandtschaft den Hofe Kaisers Laikir dem XXXVIII. und wurde auch, dank des Zuspruches von Guthnar Tallak sofort zum Kaiser vorgelassen. Man begegnete diesen blauhäutigen Fremden zwar mit Argwohn, aber die Geschichte, die sie erzählten war derart faszinierend, das der Kaiser, wie erwartet, begeistert war von der Idee, die Reichtümer dieser angeblich versunkenen Stadt zu heben. Ebenfalls erwartet hatten die Lemuren, daß einige Vertraute des Kaisers eher skeptisch seien würden - und so wurde dafür gesorgt, das General Alastos ohne es zu merken eine gehörige Dosis Tranquil in seinem Weine zu sich nahm, daraufhin kaum mehr richtig stehen konnte und kopfüber die Treppe hinabstürzte. Bedauerlicherweise brach er sich dabei das Genick. Das letzte, was Hofmagus Sheoren Kalarithiel in seinem Traume sah, war eine blaue Dämonenfratze bevor eine scharfe Klinge ihm den Hals aufschlitzte. Nun war der Weg frei zu dem großen Ritual. Niemand ahnte zu diesem Zeitpunkt, daß der Webmeister sie auf eine falsche Fährte gesetzt hatte. Dieser hatte von vorneherein seine Zweifel gehegt, ob sich die von ihm begehrte Materie wirklich dort befand - was immer dort auch hervorgehoben würde, das Resultat würde auf jeden Fall seine Pläne weiterführen. Und so kam es, das die geballte Kraft des Duadims und der Magier in den Tiefen der Erde nicht auf den ”achten Teil Varkaz’” stieß, sondern auf ein gigantisches Oculi Potentiam - daß Größte, das es möglicherweise je gegeben hatte. Die vereinte Kraft durchstieß die Barriere und setzte mit einem Schlag Energien frei, die die Welt schier zerrissen. Genau das hatte der Webmeister erwartet. Die Welt versank im Chaos und ganz besonders schlimm waren die Auswirkungen im fernen Rul An-Shar. Denn dort glaubten nun die Anhänger der Arachniten, aufgepeitscht durch ihren Hohepriester, dem Hofmagier Gaenh Carabach, die Zeit der Spinne sei gekommen - die Erde tat sich auf und nun wartete man auf die Flut der göttlichen Kinder!

Wieder war es Ashin, der Schattenelf, der sich selbst ebenfalls als Anhänger der Arachne offenbahrte. In einer Vision hätte die Göttin ihm eingegeben, wie er aus ihrem Gifte eine Essenz erstellen könne, die ihre Anhänger befähigte, in die Träume anderer zu dringen um sie dort zu morden. Denn es sei nicht nur das Blut, daß die Kinder nähre sondern auch die Lebensenergie derer, die für die Göttin geopfert würden. Und jetzt, wo der Kokon seine Hülle sprenge sei es an der Zeit, den Kindern erst recht viel Nahrung zukommen zu lassen um sie zu stärken. Sharal Za Asaz ten Ghan war einer der ersten, die den Klingen der frenetischen Arachniten zum Opfer fiel. Seine Gefolgsleute jedoch folgten der Spur des Mörders und die führte - zu Ashin. Seiner konnten sie nicht habhaft werden, aber sie gelangten in den Besitz einer der Phiolen, die er an die Arachniten verkauft hatte und kehrten damit unverzüglich in den Dim’muhan Cahalth zurück. Währenddessen nahm das Unheil in Rul An- Shar seinen Lauf.

In Cahalth wußte man bereits von dem Tode des Duadim Laranth - sein Todesschrei hatten alle lebenden Duadims vernommen und es war wie ein Beben durch alle Festen gegangen. Schnell hatten die Lemuren die Zusammenhänge kombiniert und verstanden, daß man sie betrogen hatte - ein Betrug, der einem Duadim das Leben gekostet hatte! Aber wie hatte es sein können, daß ein einfacher schwächlicher Schattenelf sogar Cahalth hatte täuschen können? Hatten die Lemuren der verschiedenen Dim’muhans meist so ihre Querelen untereinander, schwärmten nun die Lemuren aller Festen gemeinsam aus, um des Schattenelfes Ashin habhaft zu werden. Die Jäger der Nacht fanden keine Spur mehr von ihm. und im Laufe der Jahre verdichteten sich die Hinweise, daß es kein gewöhnlicher Elf gewesen war - zum ersten Male hörten die Lemuren von dem, den man den Webmeister nannte. Und je intensiver sie nach dieser Legende forschten, desto realer wurde sie.

Nun begibt es sich bei den Lemuren, daß die Taten und Geschichte eines jeden einzelnen in dem Lebensbuch eines jeden Dim’muhans festgehalten werden -dem sogenannten dem geheimnisumwitterten Mahadhri ‘Dim. Eine Schriftrolle aus metalldurchwirktem Papier, die schier endlos zu sein schein, ganz im Gegensatz zu ihrer recht geringen Größe. Und tatsächlich ist alles von Anbeginn der Existenz des jeweiligen Dim’muhans dort mit altersloser Tinte verzeichnet. Anhand dieser Aufzeichnungen in Cahalth entsannen sich die Lemuren des auffälligen Kristalls, den Ashin getragen hatte - einen Splitter eines solchen Kristalls hatten sie ebenso in der analysierten Traumdroge entdeckt. Der, den man den Webmeister nannte, war für den Tod des Duadims verantwortlich. Und das durfte nicht ungesühnt bleiben.

Das Mahadhri Dim vergißt nichts und so wurde der Rachegedanke über Jahrhunderte weitergegeben von Generation zu Generation - immer wieder entwischte der Webmeister ihrem Zugriff. Durch die Erfahrung, die die Lemuren im Laufe der Jahrhunderte sammelten, lernten sie ihren Feind immer besser kennen. Immer öfter gelang es den Lemuren von Cahalth, den Webmeister in Bedrängnis zu bringen, seine Pläne empfindlich zu stören. Die natürliche Magieresistenz der Lemuren erschwerte es dem Webmeister erheblich, seinen Todfeinden immer wieder durch die Finger zu schlüpfen. Mehrfach war er nur mit knapper Not seiner Vernichtung entkommen. Der ewigen Jagd müde beschloß er schließlich den Spieß umzudrehen.

So schlich er sich als Freibeuter in die schwimmenden Städten der Stillen Wasser ein und brachte dort zehn Windsinger - mächtige Wettermagier -unter seine Kontrolle mit Hilfe gefertigter Knechtschaftsringe. Gemeinsam mit den Windsingern kehrte sein Weg nun zurück in die Schwarzdrachenberge. Dort, seit Jahrtausenden in dem riesigen Schlund eines erloschenen Vulkanes schwebend, lag Cahalth, die größte aller Lemurenfesten.

Es war dem Webmeister gelungen, einen magischen Schild aufzubauen, der seine Annäherung an Cahalth vor dem Duadim verbergen würde - und der Schutz funktionierte. Bis auf wenige Meter näherte sich die kleine Gruppe dem Kraterrand und harrte dort bis zum Einbruch der Nacht aus. Dann, als die ersten Sterne am Himmel funkelten, begann der Fels zu leben, blütenblättern gleich wölbten sich die Felszungen zum Kraterrand und der Dim’muhan öffnete sich dem Sternenlicht. Die Felszungen hatten noch nicht den Kraterrand erreicht, als der Webmeister seinen Schild fallen ließ. Augenblicklich verharrten die steinernen Blütenblätter, wölbten sich wieder nach innen um die Felsenknospe wieder zu schließen. Es bedurfte des gesamten magischen Potentials des Webmeisters, zu verhindern, das der Dim’muhan sich weiter schloß - ein stiller, schweigender Kampf der Titanen war entbrannt. Obwohl das einzige, das sich bewegte, die zuckenden Lider der sterblichen Hülle des Webmeisters war, vibrierte die Luft durch die unglaublichen Energien, die hier aufeinanderprallten.

Aber nun hatten sich schwere, schwarze Wolken über dem Krater zusammengeballt - auf ein winziges Zeichen des Webmeisters hin brach mit einemmal ein Unwetter los, wie es die Welt noch nicht gesehen hatte! Die Windsinger hatten mit ihrem Chor begonnen. Unablässig zuckten riesige Blitze, so gleißend hell daß die Nacht zum Tage wurde, begleitet von dem ohrenbetäubenden Krachen der Donnerschläge, Regen und faustgroße Hagelkörner prasselten sintflutartig auf die Erde nieder. Und immer wieder zuckten gewaltige Blitze hinab auf den Dim’muhan, unablässig durchbohrten die weißglühenden Lichtlanzen den Fels und schossen gebündelt in sein Innerstes. Das schwarze Feuergestein zuckte und bebte, die riesige Feste begann langsam, sich zu drehen während unablässig große Felsbrocken von den Wänden brachen. Und dann, begleitet von einen markerschütternd hohem Kreischen, als ob der Fels selbst im Todeskampfe schrie, barst der gewaltige Monolith in einem blendend weißen Feuerball auseinander.n Und während die schwarze Trümmer in die Tiefen des unendlichen Schlundes fielen, verebbte das Toben des Unwetters. Cahalth war zerstört und mit ihm waren über 10.000 Lemuren in den Tod gegangen.

Ein paar Dutzend hatten allerdings über eine Felszunge dem Inferno entkommen können und die, die auf ihrer Flucht durch die Schwarzdrachenberge nicht von aufgestachelten Ogern erschlagen wurde, fanden Unterschlupf in anderen Dim’muhans. Das Mahadhri’Dim von Cahalth war ebenfalls zerstört und so gingen viele Informationen über den Webmeister verloren, war es doch in der Hauptsache die Lemurengemeinschaft von Cahalth gewesen, die dem Webmeister auf den Fersen gesessen hatte. So konnten die wenigen Überlebenden nur das weitergeben, was sie selbst wußten. Diese Katastrophe einigte die Dim’muhans mehr denn je, denn nun gab es ein primäres, gemeinsames Ziel - der Webmeister mußte zur Strecke gebracht werden! In Neyphath, nun der größte und älteste aller Dim’muhans, liefen alle Fäden zusammen. Aber diesmal sorgten die Lemuren dafür, daß alles Wissen weitergegeben und auch an anderen Stellen gesammelt wurde - zudem hatte man Vorsorge getroffen, auf das es dem Webmeister nicht noch einmal gelingen möge, einen Dim’muhan zu zerstören.